Hotels in der gesamten Ukraine unter Beschuss

Am Morgen des 27. Februar schlugen russische Drohnen zweimal in einem Hotel im Stadtzentrum von Sumy ein. Fast die Hälfte des Hauses brannte nieder, und Fotos von den Folgen weisen darauf hin, dass vermutlich Drohnen mit Brandbeschleunigern im Einsatz waren, die umfangreiche Brände auslösen sollen und zu wesentlich schwereren Schäden führen als eine einfache Explosion. Die Attacke auf das Hotel in Sumy ist nur ein weiteres Beispiel dafür.
Die russische Propaganda behauptet stereotyp, Hotels dienten als Basis für ukrainische Streitkräfte und die Angriffe stellten keine Bedrohung für die Zivilbevölkerung dar. Diese These ist schon mehrfach widerlegt worden. Bei der Attacke auf die Stadt Sumy, nur wenige Tage vor dem Angriff auf Hotel im Stadtzentrum, hat Serhij Okunjev, Journalist, Menschenrechtler und Autor dieser Zeilen, das Hotel besucht. Nach seiner Aussage war das Objekt ein gewöhnliches Hotel. Zimmer konnten vor Ort sowie online reserviert werden, im Erdgeschoss gab es gewöhnliche Cafés und Restaurants, die frei zugänglich waren. Im Hotel befanden sich weder Soldaten noch irgendwelche Militärinfrastruktur.
Mit Stand vom Mai 2025 haben russische Truppen 31 Angriffe gegen 25 Hotels in der Ukraine durchgeführt. Diese Daten haben die internationale Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (RSF) und die ukrainische Menschenrechtsorganisation Truth Hounds (TH) bekanntgegeben.
Angriffe auf Hotels dienen nicht nur dem für russische Truppen „traditionellen“ Zweck des Terrors, sondern schaffen auch eine kritische Gefahrensituation für Journalisten, Menschenrechtler und Vertreter humanitärer Organisationen. Bis 2025 haben gerade diese Gruppen vorwiegend Hotels genutzt, um ihren zivilen Aufgaben nachzukommen. Bekanntlich wurden mindestens 25 Medien-Mitarbeiter durch Angriffe auf Hotels verletzt, der Reuters-Mitarbeiter Ryan Evans kam ums Leben.
Kurz vor Neujahr, am 30. Dezember 2023, richteten die Russen einen Schlag mit ballistischen Raketen gegen das Hotel „Kharkiv Palace“, dabei wurden ausländische Journalisten verletzt. Einige Tage später, am 10. Januar 2024, wurde auch das Park-Hotel in der Region Charkiv beschossen.

Von einem Drohnenangriff war auch das Hotel Reikartz in Zaporizhzhia betroffen, das häufig von UNO-Vertretern genutzt wurde.
Am 24. Juni 2024 wurde das Hotel „Sapfir“ in Kramatorsk durch einen Raketeneinschlag fast vollständig zerstört, eine Person kam ums Leben, acht wurden verletzt. Betroffen waren auch Journalisten, insbesondere aus der Ukraine, Deutschland, Lettland, den USA und Großbritannien.

Am 5. März 2025 wurde das Hotel „Zentralnyj“ in Kryvyj Rih teilweise zerstört. Fünf Menschen starben, 32 wurden verletzt. Im Moment des Angriffs befanden sich Vertreter humanitärer Missionen aus der Ukraine, Großbritannien und den USA im Gebäude.

Seit 2024-2025 haben die meisten Zeitungsredaktionen sowie zahlreiche humanitäre Organisationen ihre Sicherheitsregeln revidiert. Seitdem ist ihren Mitarbeitern untersagt, in Hotels zu übernachten, insbesondere in frontnahen Regionen.
Selbst wenn sich in einem Zivilobjekt Soldaten aufhalten, bedeutet das nach den Normen des humanitären Völkerrechts nicht, dass das Objekt zwangsläufig ein legitimes Ziel darstellt. Das humanitäre Völkerrecht schreibt vor, dass das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gewahrt und die Zivilbevölkerung geschützt werden muss.
Wenn sich in einer Hotelanlage, die ihre übliche Arbeit fortsetzt und nicht zu einer Militärbasis umfunktioniert wurde, unter Hunderten von Zivilisten zeitweise aus persönlichen Gründen auch Soldaten aufhalten, die zu diesem Zeitpunkt nicht an aktiven Kampfhandlungen beteiligt sind, dann kann dieses Objekt nicht als legitimes Ziel gelten. Ein Angriff wird offenkundig unverhältnismäßig sein und Zivilisten in Gefahr bringen.