Treffen der T4P-Teilnehmer mit Nedim Jahić

Die Teilnehmer der Initiative T4P haben mit Nedim Jahić über die Erfahrungen von Bosnien und Herzegowina nach dem Krieg und dem Genozid in Srebrenica diskutiert. Es ging um die Dokumentation der Verbrechen, die Sicherung der Beweise und die Gerichtsverfahren, die Suche nach Verschwundenen, die Gestaltung des Gedenkens und der gesellschaftlichen Erinnerung.
Lina Radtschenko23. September 2026UA DE EN ES FR RU

Меморіальний центр Сребрениці в Києві представив свою роботу лауреатам Нобелівської премії миру (джерело фото: Меморіальний центр Сребрениці). Die Srebrenica-Gedenkstätte in Kjiv präsentierte ihre Arbeit den Trägern des Friedensnobelpreises (Quelle: Srebrenica-Gedenkstätte) El Centro Memorial de Srebrenica presentó en Kyiv su labor ante los galardonados con el Premio Nobel de la Paz (Foto: Centro Memorial de Srebrenica). Le Centre mémoriel de Srebrenica (Memorijalni Centar Srebrenica) a présenté son travail à des lauréats du prix Nobel de la paix, à Kyiv (Photo : Centre mémoriel de Srebrenica) Мемориальный центр Сребреницы в Киеве представил свою работу лауреатам Нобелевской премии мира (источник фото: Мемориальный центр Сребреницы)

Die Srebrenica-Gedenkstätte in Kjiv präsentierte ihre Arbeit den Trägern des Friedensnobelpreises (Quelle: Srebrenica-Gedenkstätte)

Im Focus des Treffens stand die Frage, wie Archive und verschiedene Arten von Beweismitteln viele Jahre nach den Verbrechen genutzt werden können. Welche Rolle spielen dabei nationale und internationale Verfahren der Rechtsprechung?

Wie Dokumentation und Verantwortlichkeit zusammenhängen, war ein eigenes Thema. Mitarbeiter des Kriegsarchivs schilderten die ukrainischen Erfahrungen bei der Aufbewahrung großer digitaler Datensammlungen über die russische Vollinvasion und stellten die Frage, wie man aus dem heute vorliegenden Material Unterlagen gewinnen kann, die für künftige Gerichtsverfahren geeignet sind. Nedim berichtete von Beispielen aus der bosnischen Erfahrung, als man unterschiedliche Quellen — Archivdokumente, finanzielle und logistische Angaben, Satellitenaufnahmen und andere Beweismittel — nutzte, um die Umstände der Verbrechen und die Verbindungen unter den daran Beteiligten festzustellen. Ein wesentlicher Teil der Diskussion betraf auch die Erfahrung nationaler Gerichtsverfahren in Bosnien und Herzegowina und was davon für die Ukraine von Nutzen sein kann.

Ein weiterer wichtiger Themenblock konzentrierte sich auf die Vermissten, die Identifizierung der Opfer und die Zusammenarbeit staatlicher Institutionen mit den Familien. Die Teilnehmer sprachen über die Möglichkeiten der Identifizierung mithilfe der DNA, über die Suche nach Familienangehörigen, die Zentralisierung der Information und darüber, dass eine doppelte Übertragung von Funktionen an verschiedene staatliche Organe vermieden werden sollte. Für ukrainische Organisationen ist diese Erfahrung für die Suche nach Vermissten und den Aufbau eines effizienten Arbeitssystems mit Daten besonders wichtig.

Diskutiert wurde auch die Frage, was nach der Dokumentation geschehen sollte — wie: die Geschichten konkreter Personen aufbewahrt werden können, ohne dass die Verbrechen lediglich zu einer Statistik werden, so dass sie auch Jahre später nicht in Vergessenheit geraten. Nedim berichtete über die Erfahrung mit der Srebrenica-Gedenkstätte in der Erinnerungskultur, der Aufklärung, Jugend-Arbeit und Kommunikation. Ein weiteres Thema war das Problem der “Ermüdung” des internationalen Publikums angesichts der sich in die Länge ziehenden Kriege und der Notwendigkeit, Wege zu finden, um am Beispiel konkreter menschlicher Schicksale von den Opfern zu sprechen, die dem Publikum das Verständnis des Ausmaßes der Verbrechen nahebringen, ohne sie lediglich auf Zahlen zu reduzieren.

Im Ergebnis beschlossen die Teilnehmer, den fachlichen Austausch fortzusetzen. Nedim Jachić bot den T4P-Teilnehmern den Zugang zu Erfahrung und Expertise der Kollegen in Bosnien und Herzegowina an, insbesondere zu den Gerichtsverfahren, der Arbeit zu Verschwundenen, der Archivarbeit, dem Gedenken und der Kommunikation. Vertreter der ukrainischen Organisationen nannten ihrerseits konkrete Fragen, für die die bosnische Erfahrung von Nutzen sein kann im Hinblick auf künftige Forschungen und die ukrainische Weiterentwicklung der Dokumentation und der juristischen Aufarbeitung.

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