Einkaufszentren, Märkte, Lagerhallen: Wie die russischen Angriffe die Handelsinfrastruktur der Ukraine zerstören

In den Jahren seit der Vollinvasion hat Russland immer wieder Einkaufszentren, Geschäfte, Märkte, Lagerhallen und Verteilungszentren in unterschiedlichen Regionen der Ukraine angegriffen.
Marija Krykunenko14. September 2026UA DE EN ES FR RU

Illustration © Marija Krykunenko

In der T4P-Datenbank sind mit Stand vom 27. August 2026 bereits 8.179 Angriffe auf unterschiedliche Geschäftsobjekte dokumentiert. Wir berichten über besonders bezeichnende Angriffe dieser Art und ihre Folgen.

Angriffe auf große Handelsobjekte

Vor kurzem, am 21. August gegen 16.30, griff eine russische Drohne das Einkaufszentrum “Sonjatschna halereja” (Sonnengalerie) in Kryvyj Rih an. Zu diesem Zeitpunkt war das Zentrum geöffnet und von vielen Kunden besucht. Etwa nach einer halben Stunde schlug eine weitere Drohne ein. Durch den Angriff kamen mindestens 16 Zivilisten ums Leben, 128 wurden verletzt, darunter mindestens 23 Kinder.

“Сонячна галерея” у Кривому Розі після подвійного російського удару 21 серпня 2026 року. Фото: Перший Криворізький

„Soljatschna halereja“ in Kryvyj Rih nach dem russischen Doppelangriff vom 21. August 2026. Foto: Perschij Kryvoriskij

Der Einschlag löste einen großen Brand aus und bewirkte erhebliche Zerstörungen im Einkaufszentrum. Die Korridore, das Dach und die Geschäftsräume wurden beschädigt, ein Teil des Gebäudes lag in Trümmern. Nach dem ersten Einschlag trafen Polizisten, Rettungssanitäter und Ärzte am Ort des Geschehens ein, sie begannen, Menschen zu evakuieren, Verletzte zu versorgen und das Feuer zu löschen. Gerade während dieser Arbeiten erfolgte ein zweiter Angriff.

Die Tatsache, dass gegen das Einkaufszentrum zwei Schläge mit einem Abstand von etwa 30 Minuten ausgeführt wurden, belegt eindeutig, dass dieses Zentrum tatsächlich Ziel dieser Attacke war, erklärt Danielle Bell, die Leiterin der UN-Beobachtungs-Mission für Menschenrechte in der Ukraine.

Danach setzten die russischen Informationsmedien ihre eigenen Versionen in die Welt. Sie behaupteten, im Einkaufszentrum seien Drohnen aufbewahrt worden, auf dem Parkplatz habe sich Militärtechnik befunden, und nach dem Einschlag sei es angeblich zu einer “wiederholten Explosion” gekommen. Eigene prorussische Kanäle schrieben ausdrücklich, dass das Gebäude des Einkaufszentrums Ziel des Angriffs war.

Допис із твердженнями про нібито військове використання “Сонячної галереї”, який поширювали російські Telegram-канали після атаки. Скриншот: Telegram / Олександр Вілкул

Publikation, die eine militärische Nutzung der „Sonjatschna halereja“ unterstellt und die russische Telegram-Kanäle nach dem Angriff verbreiteten. Screenshot: Telegram / Oleksandr Vilkul

Vertreter der UN-Beobachtungs-Mission für Menschenrechte besuchten den Ort des Angriffs und das Krankenhaus, sie sprachen mit Verletzten und Zeugen. Sie bestätigten, dass das Einkaufszentrum zum Zeitpunkt des Angriffs geöffnet war und sich dort viele Zivilisten aufhielten. Anzeichen einer militärischen Nutzung, militärischer Aktivitäten oder Technik, die dieses Objekt zu einem militärischen Ziel hätten machen können, stellten die Beobachter zum Zeitpunkt der Überprüfung nicht fest. Nach Einschätzung der Mission stellt der Angriff mutmaßlich einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar.

Nach den Worten des Vorsitzenden des Ukrainischen Rats für Einkaufszentren Maksym Havrjuschyn ist “Sonjatschna halereja” das 39. Handelsobjekt in der Ukraine, das seit Beginn der Vollinvasion beschädigt wurde. In der T4P-Datenbank sind zum 27. August 2026 8.179 Angriffe auf Geschäfte, Fabriken und andere Unternehmen verzeichnet.

Einer der schwersten russischen Angriffe auf Handelsobjekte traf am 27. Juni 2022 “das Einkaufszentrum Amstor” in Krementschug. Eine russische Rakete schlug in das Zentrum ein, das zu diesem Zeitpunkt geöffnet war und wo sich Zivilisten aufhielten. 22 Personen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Die russische Seite erklärte, Ziel sei eine angeblich danebengelegene Fabrik und ein Munitionslager gewesen. Allerdings fand die Unabhängige Internationale UN-Untersuchungskommission für die Ukraine keinerlei Beweise dafür, dass in dem Unternehmen Waffen gelagert worden wären. Die Kommission stellte zudem fest, dass das Einkaufszentrum unmittelbar durch eine Rakete zerstört wurde und nicht durch den Brand, der sich angeblich von einem benachbarten Unternehmen aus ausgebreitet hätte. Diesen Vorfall bewertete die Kommission als unterschiedslosen Angriff und erklärte, die russischen Streitkräfte hätten nicht die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Insbesondere hätten sie das Ziel nicht überprüft und keine Angriffsmittel gewählt, die die Risiken für Zivilisten hätten verringern können.

ТЦ “Амстор” у Кременчуці після російського ракетного удару 27 червня 2022 року. Фото: Дмитро Лунін / Facebook

Einkaufszentrum „Amstor“ in Krementschug nach dem russischen Raketenangriff vom 27. Juni 2022. Foto: Dmytro Lunin/Facebook

Zu einem weiteren Schlag gegen ein Einkaufszentrum kam es am 25. Mai 2024 in Charkiv. Russische Truppen attackierten mit zwei Bomben den Baumarkt “Epizentr”. Es war ein Samstag, das Geschäft hatte geöffnet, Kunden und Mitarbeiter hielten sich dort auf. 19 Personen kamen ums Leben, 54 wurden verletzt. Die Organisation “Truth Hounds”, die diesen Angriff untersucht hat, fand keinerlei Militärobjekte vor, weder im Baumarkt noch in seiner unmittelbaren Umgebung, Truth Hounds stellte außerdem fest, dass Charakter und Folgen der untersuchten Angriffe darauf hinweisen, dass es sich um eine gezielte Zerstörung ziviler Objekte handelte.

Anfang August 2026 vermeldete das Unternehmen “Epizentr” bisher elf vollständig zerstörte Einkaufszentren — in Mariupol, Tschernihiv, Butscha, Nikopol, Charkiv, Kamjansklyj, Sumy, Krivyj Rih, Zaporizhzhia und zwei in Cherson. Mindestens 15 weitere Objekte der Kette wurden beschädigt. Bereits am 24. August kamen zwei weitere “Epizentren” in Odesa dazu, die von einer russischen Attacke getroffen wurden.

Харківський “Епіцентр” після російського авіаудару 25 травня 2024 року. Фото: з відкритих джерел

„Epizentr“ in Charkiv nach dem russischen Luftangriff vom 25. Mai 2024. Foto: aus offenen Quellen

Beschuss von Märkten

Russische Angriffe haben wiederholt auch Märkte ins Visier genommen. Dort verkehren jeden Tag Hunderte von Zivilisten. Eine der blutigsten Attacken ereignete sich am 6. September 2023 in Kostjanynivka im Gebiet Donezk. Gegen 14 Uhr gab es einen Einschlag im Markt im Stadtzentrum. 17 Personen kamen ums Leben, über 30 wurden verletzt. Das Feuer erfasste Geschäftspavillons, beschädigte Autos und umliegende Gebäude.

Ринок у Костянтинівці після обстрілу, фото: Андрій Резніков/Суспільне Донбас

Markt in Kostjantynivka nach dem Beschuss. Foto: Andrij Realnikov/Suspilne Donbas

Wiederholt wurde auch der Charkiver Markt “Barabaschovo” angegriffen, das ist eines der größten Einkaufszentren des Landes. Im März 2022 kam es nach dem Beschuss zu einem großen Brand, der ungefähr sieben Hektar erfasste. Während die Feuerwehrleute den Brand löschten, starteten die russischen Truppen einen weiteren Angriff. Ein Mitarbeiter des Katastrophenschutzes kam ums Leben, ein weiterer wurde verletzt. Bereits im Juli desselben Jahres kam der Markt erneut unter Beschuss, zwei Personen starben dabei, über 20 wurden verletzt. Im Mai 2025 wurden bei einem Angriff Dutzende von Einkaufspavillons zerstört und mehr als 100 beschädigt.

Рятувальник гасить пожежу на ринку “Барабашова” у Харкові, фото: Суспільне Харків

Ein Feuerwehrmann löscht einen Brand auf dem Markt „Barabaschova“ in Charkiv. Foto: Suspilne Charkiv

Am 1. Oktober 2024 beschoss die russische Artillerie den Bezirk des Zentralen Markts in Cherson. Das geschah ungefähr um 9 Uhr morgens, als die Menschen schon zum Einkaufen oder zur Arbeit unterwegs waren. Betroffen waren Einkaufszentren, eine Apotheke und eine Haltestelle. Sechs Personen kamen ums Leben, weitere sechs wurden verletzt.

Im Februar 2026 griffen die russischen Truppen den Markt in Druzhivka im Gebiet Donezk an. Laut Ermittlung kam dabei das Mehrfachraketenwerfersystem “Smertsch” mit Streumunition zum Einsatz. Sieben Personen im Alter von 43 bis 81 kamen ums Leben, mindestens 15 wurden verletzt. Nach dem Angriff schlossen die Behörden den Markt zeitweilig, da weitere Attacken drohten.

Zerstörungen von Lagerhallen und Logistik-Zentren

Russische Angriffe auf die Infrastruktur für Lager setzten bereits 2022 ein. Nach dem Urteil des Büros für Investitionsprogramme wurden im ersten Jahr der Vollinvasion in der Ukraine etwa 600.000 bis 700.000 Quadratmeter an Lagerraum vernichtet. Zu den größeren Verlusten zählen das West Gate Logistic in Stojanka bei Kyjiv, wo Waren von Goodwine, Watsons und anderen Unternehmen in Flammen aufgingen, das ATB-Lager und das Zentrallager “Foxtrott” bei Hostomel. Am 12. März 2022 zerstörte russischer Beschuss auch ein großes Tiefkühllager in Kwitneve, wo insbesondere Produktion von MChP (einem großen Agrar- und Lebensmittelkonzern) aufbewahrt wurde. Der Konzern taxierte seine Verluste auf ungefähr 230 Mio. Hryvna.

Eine neue Angriffswelle intensivierte sich vor allem 2025 und 2026. Am 25. November 2025 schlug eine Rakete in das Logistik-Zentrum NOVUS mit einer Fläche von mehr als 50.000 Quadratmetern ein. Vier Fahrer von Zulieferern wurden getötet, fünf weitere Personen erlitten Verletzungen. Anfang 2026 kam es zu serienweisen Angriffen auf große Lagerhallen. Im Februar wurde in Jahotyn das größte Lager von Roshen-Fertigprodukten nahezu vollständig vernichtet. Im April erfasste ein Brand in Luzk über 21.000 Quadratmeter des Logistikzentrums der Netze “Simi” und “Sim23”, und im Mai wurde in Dnipro das Zentrum “UWK” zerstört, das zur Fozzy Group gehört. Am 3. Juni setzte ein unmittelbarer Drohneneinschlag eines der größten Verteilungszentren von ATB mit einer Fläche von 37.500 Quadratmetern außer Betrieb, das ungefähr 300 Geschäfte mit Waren versorgte.

Логістичний центр NOVUS після російської атаки. Фото: ДСНС

Logistikzentrum NOVUS nach dem russischen Angriff. Foto: DSNS (Katastrophenschutz)

Im Juli stieg die Liste der Verluste stetig an. Am 2. Juli wurde das Lager Denka Logistics zerstört, wo die Produktion von Intertop Ukraine, BookChef, OKWINE und anderer Konzerne gelagert war. Während dieses Angriffs zerstörten die russischen Streitkräfte das einzige MOYO-Lager mit einer Fläche von etwa 7.500 Quadratmetern vollständig. In der Nacht zum 19. Juli zerstörte eine Rakete den Logistik-Komplex Amtel im Gebiet Kyjiv. Konzerne, die dort ihre Güter gelagert hatten, erlitten Verluste, darunter Goodwine, “Kniholav” und andere Marken. Über die Folgen des Angriffs berichtete der Ukrainische Rat für Einkaufszentren.

Знищений склад MOYO після російської атаки 2 липня 2026 року. Фото: MOYO

Das zerstörte MOYO-Lager nach dem russischen Angriff vom 2. Juli 2026. Foto: MOYO

Die größte Angriffsserie fand im August 2026 statt. In der Nacht auf den 5. August schlugen erneut mehrere Raketen in das Logistik-Zentrum NOVUS ein, danach stellte dieses seine Arbeit vollständig ein. In derselben Nacht erfassten Brände vier Verteilungszentren der Fozzy Group, die “Silpo”, Fora” und TRASH!ТРАШ! mit Gütern versorgte. Nach aktualisierten Angaben der Unternehmen kamen acht Mitarbeiter ums Leben, 21 wurden verletzt. Drei ballistische Raketen zerstörten das Verteilungslager Rozetka in Brovari, das über 100.000 Bestellungen täglich bearbeitete. In Kyjiv verbrannte eines der Logistik-Zentren von “Epizentr”, und während des Angriffs auf ein Verteilungszentrum der “Nova Poschta” kamen drei Personen ums Leben, zwei Fahrer eines Partnerunternehmens und ein Mitarbeiter eines Subunternehmens.

Зруйнований розподільчий склад Rozetka у Броварах після атаки 5 серпня 2026 року. Фото: ДСНС

Zerstörtes Verteilungslager Rozetka in Brovari nach dem Angriff vom 5. August 2026. Foto: DSNS (Katastrophenschutz)

Die Angriffe setzten sich auch in der zweiten Augusthälfte fort. Am 18. August wurde das Verteilungszentrum EVA in Brovari beschädigt, und zwei Tage später das neue Zentrum “Fori” in Martusivka, das erst etwa eine Woche vor dem Angriff seine Arbeit begonnen hatte. Berichtet wurde auch von Schäden am Lager des logischen Partners VARUS in Boryspil.

Das Ausmaß dieser Verluste wirkt sich bereits auf die Arbeit der Handelsnetze aus. Nach Einschätzung der UTG-Direktorin Jevhenija Loktionova, hat nach der Angriffsserie vom August der ukrainische Einzelhandel ungefähr 400.000 Quadratmeter an Lagerplatz verloren, darunter 80.000 bis 100.000 Quadratmeter an Kühlflächen. In der Kyjiver Region blieben nur etwa 2,5% der Lagerflächen verfügbar, und große Räumlichkeiten von mehr als 10.000 Quadratmetern sind praktisch nicht mehr verblieben. Daher müssen die Netze ihre Lieferrouten ändern, Waren über andere Lager umleiten und die Vorräte unter den Regionen umverteilen. Für die Kunden zeigen sich die Folgen im zeitweiligen Fehlen einzelner Waren, in reduziertem Angebot und Verzögerungen bei Online-Bestellungen.

Wer wird für diese Angriffe die Verantwortung tragen

Einkaufszentren, Supermärkte, Märkte, Geschäfte und zivile Lagerhallen stehen unter dem Schutz des humanitären Völkerrechts. Nach Zusatzprotokoll I zu den Genfer Konventionen sind die Konfliktparteien verpflichtet, zivile Objekte und militärische Ziele zu unterscheiden und Angriffe auf letztere zu beschränken. Kriterien für militärische Ziele sind in Artikel 52 des Protokolls festgelegt. Ein solches Objekt muss “wirksam zu militärischen Handlungen beitragen” und seine “Zerstörung unter den in dem betreffenden Zeitpunkt gegebenen Umständen einen eindeutigen militärischen Vorteil” darstellen.

Wenn ein Geschäft, ein Markt oder ein Lager in der Nähe eines militärischen Objekts liegt, wird es dadurch noch nicht zu einem legitimen Ziel. Selbst wenn das militärische Ziel wirklich in unmittelbarer Nähe liegt, muss die angreifende Partei die Risiken für Zivilisten berücksichtigen. Art. 51 des Zusatzprotokolls I untersagt unterschiedslose und unverhältnismäßige Angriffe, und Artikel 57 schreibt vor, “bei der Wahl der Angriffsmittel und ‑methoden alle praktisch möglichen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen”.

Deshalb kommt es bei der Untersuchung der Angriffe auf Einkaufszentren, Märkte und Lagerhallen darauf an, festzustellen, was genau die Militärs selbst als Ziel bestimmt haben, welche Information über das Objekt sie vor dem Angriff hatten, ob sie sie überprüft haben, wie viele Zivilisten dort zur fraglichen Zeit zu vermuten waren und welche Waffe zum Einsatz kam. Ein gezielter Angriff auf ein ziviles Objekt ist nach Art. 8 des Römischen Statuts des IStGH ein Kriegsverbrechen.

Eigene Bestimmungen betreffen Lebensmittellager. Art. 54 des Zusatzprotokolls 1 schützt Objekte, die für die Versorgung der Zivilbevölkerung notwendig sind, insbesondere Nahrungsmittel und Vorräte. Das Römische Statut sieht im vorsätzlichen Aushungern von Zivilpersonen als Methode der Kriegsführung ebenfalls ein Kriegsverbrechen. Für eine solche Einstufung müssen das Ziel des Angriffs, die Bedeutung der konkreten Lagerhalle für die Versorgung der Bevölkerung und weitere Umstände des Angriffs festgestellt werden.

Die Verantwortung kann unterschiedliche Teilnehmer bei der Vorbereitung und Durchführung des Angriffs betreffen. Art. 25 und 28 des Römischen Status sehen eine individuelle und unter bestimmten Bedingungen eine Verantwortung der vorgesetzten Instanz vor. Es geht insbesondere um jene, die unmittelbar ein Verbrechen verübt, den Befehl erteilt, die Durchführung unterstützt haben oder als Kommandeur über Verbrechen der Untergebenen Bescheid wusste oder wissen musste und nicht die notwendigen Maßnahmen dagegen getroffen hat.

Einer dieser Prozesse findet in der Ukraine bereits statt. Im Juli 2026 wurde ein Verfahren gegen fünf russische Militärkommandeure eingeleitet, die die ukrainische Ermittlung mit dem Angriff auf das “Epizentr” von Charkiv vom 25. Mai 2024 in Verbindung bringt. Den Angeklagten werden Verstöße gegen Gesetze und Regeln des Krieges zur Last gelegt, in Verbindung mit vorsätzlicher Tötung. Die endgültige Beurteilung der Beweise und der Taten der Angeklagten obliegt dem Gericht.

Letztlich geht es hier um weit mehr als nur darum, ob ein konkretes Gebäude beschädigt wurde. Jeder dieser Schläge erfordert eine Antwort auf einige einfache, aber grundsätzliche Fragen — und zwar welches Ziel die Militärs anvisierten, ob ihnen bekannt war, dass sich Zivilisten dort aufhielten und ob sie alles in Ihrer Macht Stehende unternommen haben, um diese nicht in Gefahr zu bringen. Von den Antworten auf diese Fragen hängt sowohl die rechtliche Einordnung des Angriffs ab als auch die Frage, ob es möglich ist, konkrete Schuldige auszumachen.

Für die Menschen sind die Folgen weitaus spürbarer als juristische Formulierungen. Es gibt getötete Kunden und Mitarbeiter, Unternehmer, die den Standort für ihr Geschäft verloren haben, Mitarbeiter der zerstörten Lagerhallen und Netze, die gezwungen waren, in wenigen Tagen ihre Lieferwege neu zu organisieren. Deshalb sind bei Angriffen auf die Handelsinfrastruktur zugleich Sicherheitsfragen für Zivilisten, ökonomische Verluste und die Verantwortlichkeit für mögliche Kriegsverbrechen zu berücksichtigen.

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